Bericht Normandiefahrt

Schweinheimer Reservisten auf den Spuren der Invasion

10.07.2018, von Michael Schmidt, Schweinheim

Bild: Schweinheimer Reservisten auf den Spuren der Invasion

Foto: Hans-Peter Goike

Vom 2. bis 9. Juni führten drei Kameraden der SRK Schweinheim, zusammen mit der Kameradschaft des Ersatzbataillons 887 der Bayerischen Kameraden- und Soldatenvereinigung (BKV), eine Fahrt zu den historischen Schauplätzen der alliierten Invasion in der Normandie vom 6. Juni 1944 durch. Während des einwöchigen Aufenthalts konnten sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einen guten Eindruck von den damals hart umkämpften Strandabschnitten und Ortschaften machen. Die hervorragend organisierte Reise wurde für alle zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Für dieses Jahr hatte sich der Traditionsausschuss der Soldaten- und Reservistenkameradschaft Schweinheim etwas Besonderes ausgedacht: Eine Fahrt nach Frankreich zu den Schauplätzen der alliierten Invasion des Sommers 1944, die auch immer wieder Thema verschiedener Kinofilme, wie z.B. „Der längste Tag“ (1962) oder „Der Soldat James Ryan“ (1998) ist. Jetzt bestand die einmalige Gelegenheit, sich die historischen Schlachtfelder und das damals eingesetzte Gerät einmal im Original anzusehen.

Das Sammeln für den aus zwei zivilen Kraftfahromnibussen bestehenden kleinen motorisierten Verband war für den Samstagvormittag angesetzt worden. Nachdem die Vollzähligkeit der 15 teilnehmenden Kameradinnen und Kameraden festgestellt worden war, hieß es "Aufsitzen" und der Abmarsch konnte beginnen. Nach ca. 8 stündiger Fahrt war das Marschziel, der Campingplatz „Le Cormoran“ bei Ravenoville, einem kleinen Küstendorf mit 261 Einwohnern im Department La Manche in der Normandie-Region, erreicht. Durch seine Lage am ehemaligen amerikanischen Landungsstrand „Omaha Beach“ ein idealer Ausgangspunkt für historische Ausflüge, was auch ausgiebig genutzt wurde.

So ging es gleich am Sonntag nach Sainte-Mère-Église, wo am frühen Morgen des D-Days 14.000 alliierte Fallschirmjäger der 82nd Airborne landeten. Cineasten dürfte die Szene aus dem Film „Der längste Tag“ bekannt sein, die das Missgeschick eines amerikanischen Fallschirmjägers nacherzählt, der mit seinem Fallschirm am Kirchturm hängen blieb und von dort stundenlang hilflos die Kämpfe auf dem Kirchplatz mit ansehen musste. Das nötige Hintergrundwissen lieferte das dortige Airborne-Museum. Das nächste Ziel dieses Tages war die ehemalige Küstenbatterie St. Marcouf, die trotz schwerer Bombenangriffe und Beschuss durch amerikanische Kriegsschiffe einen Zerstörer versenkte und alle Angriffe abwehren konnte, bis sie von ihrer Besatzung freiwillig aufgegeben wurde. Heute ist die Batterie ein Museum.

Am Montag führte die Fahrt nach Cherbourge, das seinerzeit erst am 26. Juni nach tagelangen Kämpfen und unter hohen Verlusten erobert werden konnte. Im dortigen Marinemuseum kann das erste französiche Atom-U-Boot, die 1991 außer Betrieb gesetzte „Le Redoutable“, besichtigt werden. Es ist heute das größte ein einem Museum ausgestellte Atom-U-Boot der Welt.

Der Dienstag stand im Zeichen des künstlichen Nachschubhafens („Mulberry-Hafen“) und D-Day-Museums bei Arromanches und des eindrucksvollen amerikanischen Soldatenfriedhofs in Colleville-sur-Mer. Dieser beherbergt die sterblichen Überreste von über 9.000 amerikanischen Soldaten. Vom Friedhof schweift der Blick über den Küstenabschnitt Omaha-Beach, auf dem die meisten Opfer unter den Soldaten zu beklagen waren.

Am Mittwoch stand der Besuch des vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge errichteten deutschen Soldatenfriedhofs in der normannischen Gemeinde La Cambe auf dem Programm. Den dort ruhenden mehr als 21.000 deutschen Soldaten - wovon die Mehrzahl zwischen dem 6. Juni 1944 und 20. August 1944 gefallen ist - wurde mit einer Kranzniederlegung gedacht.

Die bekannten Felsenklippen von Point-du-Hoc, die unter verbissenem deutschen Widerstand und schweren Verlusten von einem amerikanischem Ranger-Bataillon mit Leitern und Seilen erklommen werden mussten, wurden am Donnerstag besichtigt. Wer erinnert sich nicht an die dramatischen Szenen aus dem Kriegsfilm "Der längste Tag".

Weniger kriegerisch gestaltete sich dann der Freitag, ging es doch zur ehemaligen Benediktiner-Abtei Mont-Saint-Michel auf der gleichnamigen Klosterinsel, heute ein Teil des UNESCO-Welterbes.

Mehr konnte nun in einer Woche wirklich nicht geboten werden. Und so trat die begeisterte Reisegruppe am frühen Samstag die Heimfahrt nach Deutschland an. Alle waren sich einig, dass so etwas unbedingt wiederholt werden müsste. Und wie wir aus gut unterrichteten Kreisen erfahren haben, soll diese Fahrt im nächsten Jahr wiederholt werden. Da sich dann auch die Invasion in der Normandie zum 75. mal jährt, kann davon ausgegangen werden, dass dort eine Vielzahl von historischen Fahrzeugen und Uniformen zu bewundern sein wird. Interessenten können sich an unseren Kameraden Manfred Kuhn im Traditionsausschuss der SRK Schweinheim wenden.