Schweinheimer Reservisten besuchen das Bayerische Armeemuseum

01.10.2018, von Michael Schmidt

Bild: Schweinheimer Reservisten besuchen das Bayerische Armeemuseum

Foto: Michael Schmidt

Passend zum 100-jährigen Jubiläum des Kriegsendes 1918 besuchten die Schweinheimer Reservisten am Samstag, den 29. September 2018, das Bayerische Armeemuseum in Ingolstadt. Unter sachkundiger Führung eines ausgewiesenen 1.Weltkrieg-Experten konnten sich die Teilnehmer über die Vorgeschichte, den Verlauf, die waffentechnischen Entwicklungen und die Lebensverhältnisse an der Front und in der Heimat während der Zeit dieser "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" informieren.

Es war noch dunkel, als sich die Kameraden und Kameradinnen der Reservistenkameradschaft Schweinheim am Samstag, dem 29. September um 6.00 Uhr beim Reservistenheim in der Ebersbacher Straße einfanden. Der frühe Zeitpunkt war notwendig, lag doch eine mehr als 3-stündige Busfahrt vor uns. Ziel der Fahrt war das Bayerische Armeemusum in Ingolstadt, eines der großen militärhistorischen Museen in Europa. Da es sich um eine Tagesfahrt handelte, konzentrierte sich der Besuch auf die Dauerausstellung zum Ersten Weltkrieg.

Untergebracht ist diese Abteilung des Armeemuseums im Reduit Tilly, einem Kernstück des Brückenkopfes der Landesfestung Ingolstadt. Erbaut unter König Ludwig I. am südlichen Donauufer zwischen 1828 bis 1841. Die Kassematten des halbrunden zweigeschossige Baus sollten Geschützen und Soldaten aufnehmen.

Nach der Ankunft in Ingolstadt wurden wir bereits vom Historiker und OTL d. R. Dr. Thomas Müller erwartet, der uns durch die Ausstellung führte. Einen besseren Museumsführer hätten wir uns nicht wünschen können, handelt es sich bei ihm doch um einen in Fachkreisen anerkannten Experten zur Geschichte des Ersten Weltkrieges. So ist er u.a. der Verfasser des Standardwerks zur Geschichte der Bayerischen Sturm-Panzer-Kraftwagen-Abteilung 13.

Zur Einführung gab er uns einen Überblick über die weltpolitische Lage seit dem Ende der Einigungskriege und dem Beginn der Reichsgründung, die in ihrer weiteren Entwicklung im Ausbruch des Ersten Weltkriegs mündete. Im weiteren Verlauf des Rundgangs konnten wir uns einen Überblick über den Verlauf dieser "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" verschaffen. Anhand vieler überaus interessanter Exponate wurde neben der Entwicklung der Waffentechnik auch der zermürbende "Alltag" an der Front sowie das Leiden der Bevölkerung in der Heimat veranschaulicht. Auf der militärischen Seite war der Erste Weltkrieg eine Übergangszeit in der Art der Kriegsführung, wie uns Herr Dr. Müller erläuterte. So waren die Militärs zu Beginn noch geprägt von den Erfahrungen der napoleonischen und der Einigungskriege mit ihren in farbenfrohen Uniformen vorgetragenen Sturmangriffen und Kavallerieattacken. Aber sie mussten bald schmerzlich erkennen, dass diese Zeiten mit dem Aufkommen moderner Massenvernichtungswaffen, wie dem Maschinengewehr und weittragender Geschütze, der Geschichte angehörten und zum Stellungskrieg übergehen. Dieser prägte dann das Kriegsgeschehen bis zum Ende 1918. Auch zu den verschiedenen ausgestellten Waffen konnte er interessante Hintergrundinformationen beisteuern. So etwa, was es mit den im Nahkampf verwendeten Grabendolchen und -keulen auf sich hatte. Als der Experte für Tanks des Ersten Weltkriegs wusste er natürlich auch vieles über diese damals neue Waffe zu berichten, insbesondere was die Entwicklung und den Einsatz des ersten deutschen Kampfpanzers, den A7V, betrifft. Auf den verschiedenen Stationen konnten wir neben diversen Uniformen, Handfeuerwaffen, Bajonetten, Geschützen, Mörsern auch einen englischen Torpedo und einen Fesselballon-Korb bewundern (s. auch unsere Fotogalerie zum Thema). Es waren sogar ein Stück Schützengraben und Holz-Unterstände nachbebaut worden. Die Unterstände nach den Original-Pionier-Bauvorschriften, wie Dr. Müller betonte. Mit der Darstellung des Kriegsendes und der darauf folgenden Revolution endete die Ausstellung zum Ersten Weltkrieg. Wir hatten anschließend noch die Gelegenheit, eine derzeit laufende Sonderausstellung zu den Gebirgstruppen dieses Kriegs zu besuchen.

Nach dem Ende der fast 2-stündigen Führung trafen wir uns alle wieder mit unseren Kameradinnen, die in der Zwischenzeit die Ingolstädter Altstadt erkundet hatten, zur Einkehr. Nach dem Mittagessen und einer anschließenden Zeit zur freien Verfügung, hieß es dann wieder „Sammeln“ für die Rückfahrt nach Aschaffenburg.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass es ein sehr gelungener und hochinformativer Ausflug war. Wenn die Zeit dafür gereicht hätte, hätte man locker einige Stunden allein in dieser Spezialabteilung des Bayerischen Armeemuseums verbringen können. Aber auch der epocheübergreifende, im Ingolstädter Schloß untergebrachte, Hauptteil des Museums sowie das Polizeimuseum wären einen Besuch wert.